Lied:
Die ganze Welt, Herr Jesus Christ
(GL 332)
Einleitung
Jesus auf Wohnungssuche! Kann das sein? Wenn wir dann noch hören, dass er für uns eine Wohnung bereitet, dürfte die Überraschung perfekt sein. Brauchen wir denn ein neues Zuhause? Das Haus, an das Jesus denkt, ist auch nicht aus Steinen gebaut, sondern aus Menschen. Wir werden „lebendige Steine“ genannt. Menschen, die einander Heimat schenken können. Mit ihren Zweifeln, Ängsten und Hoffnungen. Und er, der Herr, ist der Eckstein, der alles zusammenhält und zusammenführt. Ein Haus, das für die Ewigkeit gebaut wird. Jesus sagt: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Ihn rufen wir an:
Kyrie-Ruf
Herr, Jesus Christus, du übersiehst keinen in Not und rufst auch uns zum Handeln.
Herr, erbarme dich.
Du schenkst uns Worte des Vaters und sendest uns es weiterzutragen.
Christus, erbarme dich.
Du lässt uns nicht allein, sondern legst auf uns die Kraft des Hl. Geistes.
Herr, erbarme dich.
Gebet
Herr Jesus Christus, du Wort Gottes, verkündet von den Aposteln. Herr Jesus Christus, du Weg, Wahrheit und Leben, bezeugt durch das Beispiel vieler Menschen. Herr Jesus Christus, du lebendiger Stein, den die Menschen verwarfen, aber von Gott auserwählt und geehrt. Sei uns nahe und erfülle unser Herz mit Liebe, damit wir in dir den Vater erfahren.
Amen.
Evangelium (Joh 14, 1-12)
In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
Gedanken zum Evangelium
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ Das heutige Evangelium beginnt mit einem Satz, der fast zu leise ist für das, was folgt. „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“ Genau das die Lage: Alles ist in Bewegung. Vertrautes gerät ins Wanken. Das, worauf man sich verlassen hat, steht plötzlich nicht mehr fest. Die Jünger spüren das. Etwas geht zu Ende. Und noch ist nicht klar, was beginnt.
Uns geht es heute doch ähnlich, oder? Die Bilder der letzten Monate lassen sich kaum ausblenden. Krieg in der Ukraine, in Europa. Menschen auf der Flucht. Städte in Trümmern. Krieg im Nahen Osten, Iran, Libanon und die Golf-Staaten. Raketeneinschläge im Heiligen Land. Gewalt, die kein Ende findet. Und mit jedem Tag wächst die Frage: Wohin führt das alles? Und mitten hinein klingt der Satz: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“
Auch im eigenen Land, hier bei uns in Deutschland, vor Ort spürt man diese Unruhe. Die Gesellschaft wirkt zerrissen. Meinungen stehen sich unversöhnlich gegenüber.
Gespräche werden zum Schlagabtausch. Nicht mehr das Argument zählt, sondern die Lautstärke. Jeder bleibt in seiner eigenen Blase. Und wieder dieser Satz: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“
Dann sind da die sogenannten sozialen Medien. Alles ist sofort da. Jede Nachricht. Jede Meinung. Jede Empörung. Und oft bleibt wenig Raum zum Einordnen, zum Atmen, zum Verstehen. Was zählt, ist die schnelle Reaktion. Fakten hin oder her. Nicht selten bleibt am Ende nur Unruhe. Und wieder: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“
Auch die Zukunft wirft ihre Schatten voraus. Die Klimakrise ist längst keine ferne Möglichkeit mehr. Veränderungen sind spürbar. Sorgen wachsen. Und mit ihnen die Frage, wie Leben morgen aussehen wird. Und wieder: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“
Und schließlich das ganz Persönliche. Abschiede von Menschen, die wir verlieren. Verluste, die uns hart treffen. Pläne, die nicht aufgehen. Wege, die enden. Gerade hier berührt das Evangelium seinen Ursprung. Denn auch Jesus spricht diese Worte in einer Abschiedssituation. Er geht. Und lässt Menschen zurück, die nicht wissen, wie es weitergeht. Da hinein sagt er: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“
Doch dieser Satz ist nicht alles. Jesus fügt etwas hinzu. Eine Zusage. Ein Bild. „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“ Ein Haus – was für ein Bild. Ein Haus vermittelt in all dieser Verwirrung Schutz und Sicherheit. Ein Haus, weit und offen mit vielen Wohnungen. Kein enger Raum, kein Ort für nur wenige, sondern ein Zuhause mit Platz, ein Rückzugsort vielleicht – vielleicht aber auch eine Wohlfühl-Oase. Und dann sagt Jesus noch: „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten.“ Das ist mehr als ein tröstlicher Gedanke. Das ist eine Zusage. Da ist ein Platz. Nicht irgendwann, nicht vielleicht, sondern schon bereitet. Bevor ein Mensch seinen Weg versteht. Bevor sich alles klärt. Bevor das Herz zur Ruhe kommt. Und damit bekommt der erste Satz ein neues Gewicht. „Euer Herz lasse sich nicht verwirren.“
Das ist keine Forderung, aus eigener Kraft zu leben, es ist kein „Reiß dich zusammen!“, kein „Du musst nur Vertrauen haben!“. Es ist ein Satz, der auf etwas gründet. Das Herz braucht sich nicht an das zu hängen, was unsicher ist. Es darf sich halten lassen von dem, was zugesagt ist.
Die Jünger damals hören diese Worte, ohne alles zu verstehen. Sie kennen den Weg nicht. Sie kennen das Ziel nicht. Und doch gilt ihnen diese Zusage. Und heute gilt sie ebenso. Auch heute sind viele unserer Wege unklar. Auch heute bleiben Fragen offen. Auch heute ist nicht alles verständlich. Aber die Zusage bleibt: Da ist ein Platz. Ein Ort bei Gott. Ein Ort, der nicht verloren geht. Ein Ort, der nicht erkämpft werden muss. Ein Ort, der schon bereitet ist. Und vielleicht verändert das den Blick. Nicht alles wird sofort klar. Nicht jede Verwirrung löst sich auf. Aber sie bekommt einen Rahmen: Ein Haus mit vielen Wohnungen. Und darin einen Platz. Mitten in allem, was unruhig macht. Mitten in allem, was offen ist: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren, denn im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“
Da weiß man, was man hat.
(Frank Greubel)
Lied:
Freu dich, erlöste Christenheit
(GL 337)
Fürbitten
In jener Zeit sprach Jesus zu den Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Vater, an dich und deinen Sohn glauben heißt auch, dass wir dir alles hinhalten dürfen, so bitten wir:
In den Sorgen und Ängsten unserer Zeit. Sei du mit uns…
In dem Bemühen um Gerechtigkeit und Frieden für alle. Sei du mit uns…
Bei den Entscheidungen für ein Leben in Zukunft. Sei du mit uns…
In unserer Hoffnung über den Tod hinaus. Sei du mit uns…
Gott, du hast uns zugesagt, dass du der Gott ICH BIN DA bist. So hoffen wir auf dich, heute und alle Zeit, bis in deine Unendlichkeit.
Amen.
Einleitung zum Vaterunser
Herr Jesus, wer nach deiner Kraft fragte, wurde auf den Vater verwiesen. Zu ihm lass uns mit deinen Worten rufen:
Vater unser ...
Segensgebet
Herr Jesus Christus, du Wort Gottes, das uns Mut und Kraft für unser Leben gibt.
Herr Jesus Christus, du Weg, Wahrheit und Leben, du bist bei uns alle Tage.
Herr Jesus Christus, du lebendiger Stein, den die Menschen verwarfen, du schenkst uns Zuversicht. Segne uns, wenn wir in unser Leben gehen, wenn wir dein Wort bezeugen.
So belebe und begleite uns in seiner Kraft der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.
Lied:
Wahrer Gott, wir glauben dir
(GL 779)

