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Glosse: "„Ich hab's doch nur gut gemeint!“ oder zuviele 15. Nothelfer"

von Gerd Greier, Pfarrer und Koordinator im Pastoralen Raum Bad Kissingen

Es ist schon eine Weile her. Es war an einem Montag. An der Außentreppe zur Sakristei zur Herz Jesu Kirche in Bad Kissingen standen auf der Seite Kartons mit Opferlichtern (für die Kirche am Herz Jesu und bei der Maria).

Mir sind sie am Morgen schon aufgefallen und ich dachte, unser Mesner Dietmar wird sie im Laufe des Tages aufräumen.

Ich war den ganzen Tag auf einem Klausurtag für die Planung der neuen Gottesdienstordnung. Als ich abends zurückkehrte, sah ich unseren Diakon Benedict, ganz im Element als echter Diakon, als „Diener und Helfer“, die Kartons wegtragen. Ich half mit. Da im Gemeindezentrum gerade die Chorprobe der OBA (Offene Behinderten Arbeit der Lebenshilfe) beendet war, packte noch eine ehrenamtliche Helferin (Claudia) mit an. Karton für Karton, die Treppe hinauf, durch die Sakristei, durch den Chorraum in die Nebensakristei. Dann kam noch die Kirchenschließerin Lissy dazu und half auch mit. Jetzt waren wir vier Nothelfer, die es gut meinten.

Gott sei Dank hatte Lissy einen Geistesblitz. Irgendwie kam ihr das Ganze „spanisch“ vor. Die Kartons waren zu leicht. Sie öffnetet einen der wie neu mit Klebeband verpackten Kartons. Und siehe: es befanden sich nur ausgebrannte, leere Kerzenbecher darin. 

Unser Dietmar hatte sie perfekt eingepackt und alle Kartons herausgestellt, weil für  Dienstag eine neue Lieferung von einem Kerzengeschäft aus Würzburg bestellt war und diese immer die leeren Becher zurücknehmen, um sie wieder aufzufüllen (im Sinne der Nachhaltigkeit).

ALSO: alle Kartons wieder retour. Aus der Nebensakristei, durch den Chorraum, durch die Sakristei, die Treppe herunter und draußen wieder hinstellen.

Benedict nahm gleich mehrere Kartons auf einmal. Ich machte es ihm nach, kam noch die Treppe herunter, aber dann verließ mich die Kraft und alle Kartons fielen die Treppe zum Heizungskeller hinunter. Alle wieder hochholen. Was für eine unnötige Aktion.

Aber das ist noch nicht das Ende.

Am nächsten Tag standen die Kartons immer noch zum Abholen bereit. Da kam der nächste „gute Geist“: Helmut aus Eltingshausen. Nach der Manier des dortigen Kirchenpatrons „Sankt Martin“ sah er auch die Kartons und dachte bei sich: jeden Tag eine gute Tat. So trug er Karton für Karton die Treppe hoch, durch die Sakristei, durch den Chorraum in die Nebensakristei.

Als sein gutes Werk vollbracht war, kam gerade der Lieferwagen des Kerzengeschäfts aus Würzburg mit den neuen Kartons voller gefüllter Opferlichter. Die Fahrer trafen noch den 15. Nothelfer Helmut und fragten nach den für sie zurecht gemachten Kartons mit den leeren Opferlichtern, die doch hier zum Mitnehmen bereit stehen sollten. Also die ganze Aktion wieder rückwärts: aus der Nebensakristei, durch den Chorraum, durch die Sakristei, die Treppe herunter nach draußen in den Lieferwagen.

Jetzt waren sie endgültig in Sicherheit vor weiteren guten Geistern. Das waren wirklich in mehrfacher Hinsicht echte „Opfer-Kerzen“.

In Zukunft wird an diesen Kartons ein Zettel kleben: „Bitte stehen lassen - Kartons werden abgeholt“.

Ein Schutz vor den 15. Nothelfern, die es nur gut meinen.


Gerd Greier
Pfarrer